Eine Sache, die uns die Covid-Pandemie gelehrt hat.

Liebe Blogleser,

der zweite Lockdown, erst für nur 4 Wochen Anfang November durch die Exekutive beschlossen, mit dem Hinweis –  alles dafür zu tun, ihn darüber hinaus nicht zu verlängern –  wird uns jetzt wohl noch einige Zeit erhalten bleiben.

Die Frage, was wir mit den Maßnahmen gewinnen oder verlieren oder wie gefährlich der Virus wirklich ist, ist zum beherrschenden Thema unserer Gesellschaft in den letzten Monaten geworden.

Nun wäre es von Vorteil, wenn wir eine wirkliche Diskussion führen, intensive Kommunikation betreiben, mit Auseinandersetzungen und Konflikte, die daraus entstehen können, wertschätzend umgehen würden, immer mit dem Ziel, eines gemeinschaftlichen Ringens, um die beste Lösung.

Diskutieren lernen.

Doch wenn ich mich so umschaue, stelle ich fest: Es gibt keine richtige Diskussion, sondern eine Polarisierung von zwei gegensätzlichen Lagern. Auf der einen Seite eine scheinbar große Mehrheit, die der Meinung ist, dass alles richtig und vernünftig ist, was die Regierenden tun und eine vermeintliche Minderheit, die den Maßnahmen der Executive kritisch gegenüberstehen. Doch rufen wir uns ins Gedächtnis – eine Mehrheit ist noch lange kein Beleg dafür, dass es per se vernünftig ist, was sie sagt. Am Rande sei hier die Auseinandersetzung zwischen Galileo und der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert hinsichtlich des Mittelpunkt der Welt, erwähnt.

Dass es kontroverse Diskussionen zwischen verschiedenen Gruppen gibt, ist zunächst als solches genommen grundsätzlich zunächst kein Problem, sondern vielmehr befruchtend.  Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass alle die, die der scheinbaren Mehrheit nicht folgen, diskreditiert werden. Gerne bezeichnet man sie auch als Covidioten, Verschwörungstheoretiker oder auch Aluhutträger. Dies hat weitreichende Folgen. Somit entfällt der legitime Grund für Kritik, was impliziert, dass jeder der Kritik übt im Grunde unvernünftig und unachtsam gegenüber seinen Mitmenschen ist.

In noch nie dagewesener Form polarisiert dies unsere Gesellschaft, führt uns weg, von jedem sinnvollen Gedankenaustausch mit anderen Menschen, um dauerhaft Lösungen zu kreieren. Gerade dieser Austausch, diese Auseinandersetzung im kontrovers Denkenden ist es aber, der zu sinnvollen und erfolgversprechenden Maßnahmen führen würde, um mit dem Virus dauerhaft zu leben.

Eine bessere Zukunft bauen.

Leider – so scheint es – ist diese sinnbringende Auseinandersetzung seitens der Executive gar nicht gewollt, wie sonst ließe sich erklären, dass seit fast 9 Monaten die Legislative nur noch Zaunangst unserer parlamentarischen Demokratie ist. Entscheidungen fällen nur noch die Regierenden, ohne Einbeziehung der Parlamente.

Dabei orientieren sich eben diese politisch Handelnden vor allem an den Worst Cases, an den schlimmsten Szenarien. Unterstützt von den Massenmedien wird eine Angst in die Gesellschaft hineingetragen, die seinesgleichen sucht. Schreckenszahlen werden jeden Tag in die Welt posaunt und fast immer fehlt hierzu die Verhältnismäßigkeit, um die Zahlen wirklich direkt bewerten zu können. Wer sachlich berichtet, dass nur ca. 1 % der täglichen Todesfälle in Deutschland in Zusammenhang mit Corona stehen, der erhält eben weit weniger Aufmerksamkeit als der, der öffentlich sagt, dass „die Todeszahlen durch Corona, etwa so hoch sind, als würde jeden Tag ein Flugzeug abstürzen“.

Warum durch diese „Schockrisiken“ Angst verbreitet werden soll ist sicherlich eine Diskussion wert, die an anderer Stelle noch einmal zu führen wäre.

Angesicht dieser Vorgehensweise, erscheint es jedoch nicht verwunderlich, dass viele Menschen nach Sicherheit suchen, auch wenn damit Einschränkungen Ihrer Freiheit, Verbote, deren Kontrolle und damit einhergehende Bestrafung verbunden sind. Langfristig wird uns eine Kultur der Verbote jedoch nur sehr wenig helfen, mit den Veränderungen, die dieser Virus nun einmal mit sich bringt, umzugehen.

Was lehrt uns die Pandemie?

Aus der Mediation wissen wir, dass nur eine gemeinsam erarbeitete Lösung für einen Konflikt zu einer nachhaltigen und für beide Seiten befriedigenden Lösung führt. Die Grundprinzipien für eine solche Vorgehensweise sind Freiwilligkeit und Eigenverantwortung.

Mediation ist deshalb so erfolgreich, weil wir nicht fremdbestimmt Lösungen bauen, sondern eine tragfähige und funktionierende Lösung immer von den unterschiedlichen Konfliktparteien selbst kommt und von diesen erarbeitet wird. Die Konfliktparteien sind verantwortlich für den Inhalt und das Ergebnis. Der gemeinsame Weg zur Lösung bringt für alle Beteiligten einen großen Wissens- und Erkenntnisgewinn. Neue Sichtweisen werden wahrgenommen, Interessen und Bedürfnisse erkannt, fließen in den Lösungsprozess mit ein. Dies eröffnet andere Blickwinkel und führt dazu, dass in Lösungen viele Aspekte berücksichtigt werden können, die sonst auf der Strecke geblieben wären. Eine langfristige und nachhaltige Lösung entsteht.

Genau diese Weitsicht würde ich mir von den politisch Handelnden wünschen.

Wir benötigen einen Umgang miteinander, in dem wertschätzende Auseinandersetzung wieder möglich ist, ohne das Andersdenkende als „dumm“ und „unvernünftig“ gebrandmarkt werden. Nur wenn die Menschen auf dem Weg mitgenommen werden, sind sie in meinen Augen bereit, gemeinsam in eigener Verantwortung, Lösungen zu entwickeln, die uns einen vernünftigen Umgang mit dem Virus ermöglichen.  Eine Verbotskultur hingegen, das massive Eingreifen in die Freiheitsrechte einzelner und die nicht zu rechtfertigende „Shutdown“ der parlamentarischen Demokratie, ist in meinen Augen nicht geeignet, diese Herausforderung zu überwinden.

Nur Lösungen, die gemeinsam im Dialog entstehen sind gute, tragfähige und dauerhafte Lösungen.

Für eine bessere Zukunft.

Entscheidend ist gerade jetzt, dass wir ein Zukunftsbewusstsein und eine Zukunftsvision entwickeln. Auch die politisch Handelnden müssen endlich Ihre Angst überwinden, aus der Panikspirale ausbrechen, uns ihre Vision und langfristige Möglichkeiten offerieren, um gemeinsam mit uns daraus eine bessere Welt zu bauen.

Aber Wandel beginnt immer bei uns selbst. Auch wir können jetzt und hier damit beginnen. Jeder für sich und alle gemeinsam.

Bauen wir Zukunft, erfinden wir uns und die Welt da draußen ein Stück weit neu und nehmen wir andere auf diesem Weg einfach mit. Der Sprung kann aber nur gelingen, wenn wir bereit sind Ängste los zu lassen und vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Unser Planet ist kein Paradies, aber er ist wahrlich ein guter Ort, um zu leben.

Ihr Martin Schubert