Vergebung ist gesund: über ein heilsames Gefühl – Teil 2

Liebe Blogleser,

dies ist die Fortsetzung des Blogbeitrags von letzter Woche. Lesen Sie ihn hier, falls Sie ihn verpasst haben.

Verbitterung als Krankheitsbild

Wir erleben Kränkungen oder fühlen uns von anderen verletzt. Dabei merken wir, dass es oft gar nicht so leicht ist, zu vergeben. Wenn wir eine Kränkung nicht loslassen, dann gärt es in unserem Inneren. Negative Gefühle wie Wut, Angst, Rachegelüste oder Schmerz führen schließlich zu Verbitterung und das macht Körper und Seele nachweislich krank. Die Auswirkungen von chronisch erhöhten Stresshormonen auf Organe und Psyche wurden in den letzten Jahren immer bewusster, sodass zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt wurden, um die Zusammenhänge zu evaluieren. Medizinische Untersuchungen belegen, wie gesundheitsfördernd es ist, wenn jemand vergeben und Schuld loslassen kann. Vergeben wirkt heilsam und macht uns stark Frederic Luskin von der Stanford University hat im Rahmen eines Forschungsprojekts ein psychologisches Training entwickelt, bei dem verbitterte Menschen lernen, ihren Tätern zu verzeihen. Es geht ihm dabei nicht darum, die verletzende Erfahrung aus dem Gedächtnis zu löschen oder das Erlebte kleinzureden, sondern die zerstörerische Wirkung der Verbitterung zu stoppen.

Luskin setzt dabei auf die Kraft der Vergebung und kann als Ergebnisse unter anderem vorweisen:

  • Vergebung senkt den Blutdruck und das Cortisol im Blut.
  • Vergebung wirkt gegen Rückenschmerzen, Depressionen und chronischen Schmerzen.
  • Vergebung unterstützt dabei angefressene Pfunde loszuwerden.
  • Vergebung hilft gegen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und weitere psychosomatische Beschwerden.

Was hindert uns zu vergeben?

Was hält uns davon ab, vergeben zu können oder zu wollen?

  • Der Schmerz ist zu groß, die Kränkung zu traumatisch. Unsere ganze Energie ist auf das kränkende Ereignis und die verursachende Person gerichtet.
  • Wir möchten es heimzahlen und uns rächen, doch der Moment der Genugtuung ist kurz und danach geht es uns häufig nur noch schlechter. Strafrechtliche und moralische Konsequenzen richten den übrigen Schaden an.
  • Wir haben Angst davor, unser Gesicht zu verlieren. Die Scham über das Erlebte, die Verbitterung und Wut lastet auf unseren Schultern und treibt uns in die Enge.

Wir wollen Recht bekommen, indem wir einen Schuldigen finden und bestrafen, in dem Glauben das würde unsere Verletzung heilen. Selbst wenn wir vergeben wollen, wissen wir nicht wohin mit unserer Kränkung. Pauschales Vergeben ist zu oberflächlich und hat keine Nachhaltigkeit, da es zu unkonkret ist. Kränkende Gefühle sind dann leicht erneut zu triggern und führen zurück in die Kummerspirale. Daher ist es hilfreich sich mit gezielter Fragestellung und Anleitung der Verletzung zu nähern und den Weg zur Vergebung konkret, individuell und persönlich auszuarbeiten.

Vergeben ist ein Prozess

Vergebung kann erreicht werden, indem strukturierte Schritte den Weg bereiten. Dieser Prozess gestaltet sich durch das Erreichen von Klarheit – über das was geschehen ist, die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Gefühlen und die Einordnung meiner Verletzung in die eigene Geschichte. Diese schmerzhafte Episode wird so beendet, dass es mir gelingt mich nicht mehr als Opfer, sondern als Held zu sehen. Zum Abschluss kann ich mich als gereifte, weiterentwickelte Persönlichkeit wahrnehmen. Der Prozess der Vergebung ist sowohl schmerzhaft als auch befreiend. Die Dauer dieser Entwicklung spielt keine Rolle, denn alles hat seine Zeit.

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