Vergebung ist gesund: über ein heilsames Gefühl – Teil 1

Liebe Blogleser,

Im Leben passiert es, dass wir von anderen verletzt werden. Dann stranden wir mit unseren Bedürfnissen und liegen plötzlich mit unseren Interessen auf dem Trockenen. Bei genauer Betrachtung stellen wir dann fest, dass Ereignisse, die wir nicht beeinflussen können, den Boden unter unseren Füßen verändern und uns mit Schlagseite zurücklassen.

Wir können nur bei uns selbst ansetzen wenn wir unsere Stärke zurück bekommen wollen und die Verletzung heilen. Wenn wir unseren Frieden und unsere Freiheit haben wollen, dann gibt es letztlich zwei Möglichkeiten:

  1. Alles bleibt wie es ist und ich warte darauf, dass andere sich so verhalten, wie es mir gut tut.
  2. Ich stelle mich meiner Verletzung, ordne meine Gefühle ein und finde einen Weg zu neuer Stärke.

Die etablierte Kummergeschichte

Ein tiefes menschliches Bedürfnis besteht darin ein Erlebnis, in dem uns andere das vorenthalten, was wir uns wünschen oder brauchen, immer und immer wieder als Geschichte erzählen (Jammern und Klagen) oder gedanklich durchspielen. Mit jedem Mal wird das Erlebnis bunter, die damals erlebten Gefühle erleben wir in gleicher Stärke (oft sogar intensiver) nochmal; die Geschichte beginnt ein Teil von uns zu werden.

Kummergesichte und -spirale

Wir haben uns eine „grievance-story“ kreiert, wie Dr. Frederic Luskin diesen Teil der Kummerspirale bezeichnet. Dies ist eine Opfergeschichte über uns, in der wir wieder und wieder unsere Schwäche, Ohnmacht, Wut und Bitterkeit spüren. Die damit verbundene Ausschüttung von Stresshormonen verändert negativ die Denkfähigkeit und das emotionale Erleben. Organe können nachhaltig geschädigt werden und unser Wohlbefinden einschränken. In diesem Zustand können wir weder aus dem Erlebten lernen, noch vermögen wir uns besseren, schöneren, reicheren Gedanken und Plänen zuzuwenden.

Wie entsteht dieser Nährboden für Verbitterung? Was erhält ihn so stark und wie erkenne ich, dass ich in eine Kummerspirale geraten bin?

  • Du hast etwas zu persönlich genommen.
  • Du kannst nicht damit aufhören die Person, die dich so verletzt hat zu beschuldigen.
  • Du hast dir eine Kummer-Geschichte aufgebaut.

Wenn ich jemandem etwas nachtrage, bestrafe ich mich nur selbst. Ich gebe dem Täter weiterhin Macht über mich, wenn ich die Geschichte meines Leids immer wieder aufleben lasse und damit immer wieder in die Gefühlswelt zum Zeitpunkt der erlittenen Tat eintauche. Wenn mir das bildlich bewusst wird, dass ich einem Anderen eine Schuld und damit eine Last sinnlos hinterher trage, dann kann mir das die nötige Motivation geben, endlich aus meinem selbstschädigenden Verhalten auszusteigen.

Falls Sie das Thema interessiert und Sie mehr wissen möchten, dann freuen Sie sich auf Teil 2 nächste Woche. Haben Sie Kummer wegen einem länger schwelenden Konflikt? Dann zögern Sie nicht und nehmen mit uns Kontakt auf.

Auch diese Woche gibt es wieder eine Buchempfehlung. Wenn Sie ein Vorbild für Mitgefühl und Vergebung suchen, dann ist es wohl der Dalai Lama. Dieses Buch hat unseren Blick auf das Thema sehr geprägt. Lesen Sie es, es ist gut.