Unsere Medianten berichten! So gut klappt die Konfliktlösung

Erfolgreiche Mediation - Blog

Wir gewähren Ihnen heute einen Einblick hinter die Kulissen unserer Arbeit. Einer unserer Medianten hat für uns einen Erfahrungsbericht verfasst, den wir hier mit Ihnen teilen wollen.

Liebe Blogleser,
falls Sie sich immer gewundert haben, wie eine Mediation bei uns abläuft: heute finden Sie in diesem Blog-Beitrag einen kurzen Erfahrungsbericht einer unserer Medianten. Gemeinsam mit ihm haben wir beschlossen diesen Bericht zu teilen, damit auch Sie sich in eine Mediation einfühlen können. Den folgenden Teil hat unser Mediant verfasst. Viel Spaß damit!

Konflikte lösen heißt…

Hallo Mediations-Interessierte, ich verfasse diesen Bericht für alle, die sich unsicher sind, ob Mediation das Richtige für sie ist. Hier berichte ich euch von unserer Erfahrung, damit ihr euch mit dem Ablauf vertraut machen könnt. Ich war positiv überrascht und ziemlich froh, dass wir es auf diese vernünftige Weise am Ende doch geschafft haben. Ich gehe sowohl auf den Ablauf als auch auf unsere persönliche Situation ein. Hoffentlich hilft es euch bei der Entscheidung.

Einige Monate nach der Trennnung kam meine Frau mit der Aussage zu mir, sie möchte ihren Wohnsitz verändern und mehrere hundert Kilometer weit weg zu ihrem neuen Partner ziehen. Da stellte sich sofort die Frage, was passiert mit den Kindern. Sie wollte die Kinder natürlich mitnehmen, ich wollte die Kinder nicht weg lassen. In dem Gespräch vermischten sich sehr schnell Argumente, Emotionen und Vermutungen. Es war bald klar, dass wir keine Einigung finden werden und meine Frau fragte mich, ob wir es mit einer Mediation versuchen wollen. Da ich davon schon etwas gehört hatte, stimmte ich zu.

Der Mediator unserer Wahl, also Martin Schubert, hat von beiden Parteien die Kontaktdaten bekommen und die Koordination des ersten Termins übernommen. Zu Beginn wurden erstmal formale Dinge geklärt (z.B. Kosten) und Regeln definiert, an die sich alle Beteiligten halten sollen. Dabei sind folgende besonders wichtig:

  • Während der Gesamtdauer der Mediation keine rechtlichen Schritte einleiten und bereits laufenden Verfahren ruhen lassen.
  • Nicht mit Dritten über den Inhalt der Mediation reden, auch nicht mit neuen Lebenspartnern.
  • Der Mediator führt meist einen Dialog mit einer der Konfliktparteien. Die zweite Konfliktpartei hört zu, darf aber nicht sofort kommentieren. Man bekommt später die Chance, auf das Gesagte zu reagieren. Damit man nichts vergisst, kann man sich Notizen machen.

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Eine Mediation besteht aus verschiedenen Phasen und der Mediator achtet darauf, dass die Aussagen auch zu der jeweiligen Phase gehören.

Es folgt die Sammlung der Themen, die in der Mediation bearbeitet werden sollen. Das war bei uns nur das eine Thema: was machen wir mit den Kindern? Bei dem Thema Kinder vertritt der Mediator die Interessen der Kinder, falls diese von den Konfliktparteien nicht genügend berücksichtigt werden.

Nun wird für beide Parteien aufgeschrieben, welche Wünsche und Bedürfnisse sie haben, die von der Lösung abgedeckt werden sollen. Dabei achtet der Mediator darauf, dass Aussagen wie ‘die Kinder sollen in der Stadt xy leben’ hier nicht aufgenommen werden. Es geht hier um Aussagen wie ‘ich möchte am Alltag der Kinder teilhaben’.

In der nächsten Phase werden alle möglichen Optionen aufgeschrieben, egal wie unsinning sie sind und auch unabhängig davon, ob sie für die andere Seite sowieso nicht in Frage kommen. Hier kam das erste Aha-Erlebnis. Man vermutet, da stehen dann drei oder vier Varianten auf dem Blatt. Bei uns standen nach einer Weile 12 Optionen auf dem Flipchart.

Jetzt beginnt die Arbeit mit den Optionen. Es wird abgefragt, welche der Optionen einem sympathisch sind und was man an anderen Optionen ändern könnte, damit sie auch näher in Betracht gezogen werden. Dadurch entstehen neue Varianten und eigenständige Optionen. Zum Schluss sind wir bei 16 Varianten gelandet. Ein interessantes Detail, das dabei auffällt ist, dass man immer angehalten wird, positive Formulierungen zu finden. Das zieht sich durch die gesamte Mediation durch.

Bei uns haben sich zwei Varianten herauskristallisiert, die für uns beide als Lösung in Frage kommen. Für die gewählte Variante wird nun geprüft, welche der Wünsche und Bedürfnisse aus der ersten Phase damit abgedeckt sind. Wir konnten auf beiden Seiten hinter jedem Punkt ein Häkchen machen.

Es folgt die Prüfung, ob die gewünschte Lösung auch umsetzbar ist. Dabei geht es um die Finanzierbarkeit, gibt es logistische Probleme, welche räumlichen Veränderungen müssen durchgeführt werden und wie stabil ist die Lösung für negative Außeneinflüsse, z.B. was passiert bei Jobverlust. An dieser Stelle bekamen wir die Erlaubnis, die Lösung anderen Leuten zu erzählen. Außerdem sollten wir das Ganze ein paar Tage auf uns einwirken lassen.

Hier kam in unserem Fall nun eine kleine Zwischenrunde. Der neue Lebenspartner meiner Frau hatte, im Gegensatz zu ihrer Annahme, etwas andere Pläne, wie oft er zukünftig mit zu dem Lebensmittelpunkt unserer Kinder fahren möchte. Dadurch ergab sich bei Herrn Schubert ein Termin, an dem meine Frau und ihr Partner teilnahmen, ich war nicht dabei. In diesem Gespräch stellte sich heraus, dass die zweite für uns in Frage kommende Lösungsvariante auch seine Bedürfnisse abdecken würde. Somit haben meine Frau und ich im nächsten Termin diese Variante auf Umsetzbarkeit geprüft und als endgültige Lösung für unser Problem gewählt.

Auf Basis dieser Lösung wird nun eine Vereinbarung formuliert. Dabei wurde bei uns explizit darauf hingewiesen, welcher Aspekt einen Unterhaltsverzicht bedeutet und was eine freiwillige Leistung ist, zu der man rechtlich nicht verpflichtet ist. Um das Ganze bei einem Scheidungsgericht vorlegen zu können, muss man damit noch zu einem Notar. Anschließend brauchen wir aber in unserem Fall für die Scheidung nur noch einen Anwalt und vor Gericht wird das Alles dann in 10 Minuten durchgewunken.

Als Ergebnis haben wir eine Lösung, die von uns beiden erarbeitet wurde, hinter der wir beide zu 100% stehen, bei deren Findung alles friedlich geblieben ist. In unserem Fall hat sich die finanzielle und zeitliche Investition voll gelohnt. Wir können auch in Zukunft einen normalen Umgang miteinander pflegen und wir haben alles für die Kinder getan, dass sie weiterhin in geordneten Verhältnissen, in Frieden und mit beiden Elternteilen aufwachsen können.

Liebe Grüße,
P.M.

…Wege gemeinsam gehen.

Wir hoffen, diese Art von Einblick hat Ihnen gefallen. Falls Sie Fragen zu Mediation haben, senden Sie einfach eine unverbindliche Mail an uns! Bis nächste Woche!

Autor: Marc Haase
Junior Consultant SEC GmbH
Economics (B.Sc.), Political Science (M.A.)